Freitag, 22. April 2016

Kapitel 4, Part 5


Widerspenstiges Gestrüpp rauschte an seinen Flanken vorbei als Karas krachend durch das Unterholz polterte. Die Umgebung um ihm herum verwischte zu einer grün-braunen Brühe, als er an ihr vorüber strich. Äste schlugen in sein Gesicht und ließen blutige Stellen zurück, Wurzeln und Steine brachten ihn zum straucheln, doch er hörte nicht auf zu rennen. Er durfte nicht aufhören zu rennen. Er konnte ein paar Meter hinter sich das hungrige Hecheln des Wolfes hören, der ihm geschwind durch den Wald folgte. Karas war sich nicht sicher ob er sich es einbildete, aber das Tier schien immer näher zu kommen. Er wollte allerdings nicht zurücksehen und am Ende irgendwo hängen bleiben und stürzen, denn sollte dies passieren, hätte er sicherlich sein eigenes Leben verwirkt. Hin und wieder vernahm der Mönch ein lautes Heulen hinter sich, was grundsätzlich nichts Gutes bedeutete. Die Meute schien sich zusehends zusammenzurotten und die Chancen standen nicht schlecht, dass die Tiere ihn langsam enger einkreisten.
Karas fegte weiter vorwärts, so schnell ihn seine Füße tragen konnten. Sein Problem lag allerdings darin, dass der Wald nach wie vor kein Ende nahm und er nicht wusste, wohin sein Weg ihn eigentlich führte. Der Adept hatte seine letzten Vorräte zurücklassen müssen und rannte nun planlos durch unbekanntes Gebiet mit gefräßigen Jägern hinter sich. Er brauchte einen Plan, einen Punkt auf den er sich konzentrieren konnte. Er brauchte ein Ziel. Dringend.
Die Flucht konnte unmöglich ewig so lange weitergehen, denn Wölfen konnte er auf Dauer zu Fuß nicht entkommen.
Ich könnte auf einen Baum klettern und mich dort oben verstecken. Hoch oben in der Krone wäre ich in Sicherheit…aber was dann? Ohne Nahrung, ohne Wasser müsste ich ausharren und beten, dass die Tiere das Interesse an mir verlieren würden. Nein, keine gute Idee, vor allem da sie genauso viel Hunger zu haben scheinen, wie ich selbst.
Vor ihm ragte ein großer Ast aus einem der Baumrümpfe und Karas duckte sich, um ihm in vollem Lauf auszuweichen. Es gelang ihm…beinahe.
Er tauchte unter dem Ast hinweg, verfing sich allerdings in einer knorrigen Wurzel die zwei Schritte später aus dem Boden ragte und geriet ins Straucheln. Sein schnurgerader Laufweg verschwamm und er torkelte mit schnellem Tempo nach rechts. Seine Schulter krachte rechts gegen harten Widerstand und er wurde direkt nach links geschleudert, sein Körper drehte sich dabei im Kreis und er verlor jegliche Kontrolle über sich selbst. Mit unkontrollierten Bewegungen schlug Karas auf dem Boden auf und rollte sich mehrfach um die eigene Achse bevor er zum Stillstand kam. Schmerz durchzuckte seine rechte Körperhälfte und der junge Mann verzog voller Pein sein Gesicht.  Die Welt drehte sich vor ihm, sein Kreislauf hatte unter den harten Bewegungswechseln offensichtlich ebenfalls gelitten. Die Wölfe! Steh auf, du Schwächling!
Trotz seiner Schmerzen und trotz des Schwindels zwang er sich aufzustehen. Der Schmerz schien explodieren zu wollen, die Beine zitterten unkontrolliert unter dem Gewicht und drohten nachzugeben, aber er stand. Seine pure Willenskraft hielt ihn oben und der Mönch verspürte so etwas wie trotzigen Stolz. Ich werde LEBEN!
Sein Verfolger sprang mit gesträubtem Fell und geiferndem Maul hinter einem Baum hervor und blieb mit aggressiver Drohgebärde vor Karas stehen. Der Wolf knurrte ihn an.
„WORAUF WARTEST DU? KOMM NUR HER“, brüllte ihn der menschliche Entsandte an, mehr oder weniger bereit für den Angriff. Sein Jäger schein keine weitere Einladung zu brauchen und sprang mit wütendem Gebell los.


Ende Kapitel 4!

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