Dienstag, 29. März 2016

Kapitel 3, Part 2

Karas zog sich die dunkle Stoffhose über die Beine, als es an seiner Tür pochte. Er band sich die Hose zu und griff sich das verblichene Hemd vom Stuhl. Die nackten Füße tapsten über den kalten Boden, Es war sein alter Mentor, der leicht gebückt und grimmig lächelnd vor ihm stand. Die rechte Hand hatte der Alte hinter seinem Rücken verschränkt, während die linke über den ergrauten Bart strich. Sein Lehrer wirkte erschöpft, ja beinahe schon um Jahre gealtert im Vergleich zum gestrigen Tag. Der junge Adept ertappte sich dabei, wie er erschrocken zusammenzuckte, eine Bewegung die seinem Gegenüber sicher nicht entgangen war.
Mein Sohn, gewährst du einem tattrigen Greis vielleicht Zutritt zu deinen Gemächern“, fragte der Priester mit einem schelmischen Augenzwinkern.
Karas trat einen Schritt zur Seite und machte eine einladende Geste in seine spärlichen vier Wände.
Tretet ein, Pater.“
Mit unsicheren Bewegungen schlich der Lehrer an ihm vorbei und setzte sich auf das Bett des Jüngeren. Karas fiel auf, dass die Hände des Anderen unmerklich zitterten.
Was ist nur mit ihm passiert? Erst gestern hatten wir noch ganz normal mit ihm geredet, da schien noch alles in Ordnung. Was ist da in der Gebetskammer nur geschehen?
Der Pater legte die Hände aufeinander, vermutlich aus Reflex um das Zittern abzudecken oder aber, um es vor Karas zu verbergen. Er hüstelte leise und musste tief durch schnaufen, so als ob ihn der Marsch zu den Gemächern überfordert hätte.
Wie ist deine Nacht gewesen“, erkundigte sich der Alte bei ihm, „wurdest du wieder von deinen Alpträumen heimgesucht?“
Karas schürzte die Lippen, ehe er antwortete: „Nein...nein, diesmal nicht. Seit langer Zeit konnte ich wieder unbekümmert schlafen, Pater.“
Der gealterte Geistliche schien sich sichtlich zu entspannen. Seine ohnehin schon tief hängenden Schultern schienen noch ein wenig mehr nach unten zu sinken. Die Erleichterung in seiner Stimmfarbe signalisierte allerdings, dass es sich dabei um ein gutes Zeichen handeln musste. Wieder fuhr die linke Hand über den Bart und strich dabei sorgfältig die borstigen Haare in alle Richtungen. Er schien sorgfältig über seine nächsten Worte nachzudenken, ehe er fortfuhr:
Dann war die Weihe erfolgreich, mein Sohn. Weißt du was das bedeutet?“
Karas blieb nichts übrig, als den Kopf zu schütteln. Er hatte nicht die geringste Ahnung, was ihm widerfahren war.
Der Segen der Götter ist mit dir. Schabanach, der größte aller Götter hat dich für würdig betrachtet, den schwierigen Weg zu gehen. Du, mein Sohn, wirst von den höchsten Kräften für geeignet gehalten. Wir waren Zeugen eines großen Augenblicks, ein wahrlich historischer Moment.“
Der junge Lehrling musste schlucken und fand keine Antwort für die Offenbarung. Stattdessen stellte er sich die Frage, was ihm wohl geschehen wäre, wenn die Götter ihn als nicht würdig erachtet hätten. Die Momente der Weihe kehrten in sein Gedächtnis zurück, die Eindrücke die er gefühlt hatte, sein Körper der von der Kälte erfüllt gewesen war...
Würde ich noch immer hier sitzen und mich für die Reise vorbereiten? Wäre ich überhaupt in der Lage, dieses Gespräch noch zu führen oder hätte ich mein Recht verwirkt, unter all diesen gläubigen Menschen zu wandeln? Was hatten meine Ordensbrüder von mir gedacht, wenn ich bei so einem Moment verschmäht worden wäre!
Ich habe nie an dir gezweifelt“, vernahm er die Stimme des Mentors und verdrängten die Ängste aus seinem Kopf. Der Nebel des Zweifels lichtete sich und sein Verstand kehrte wieder zurück, ließ ihn wieder klar denken.
Ich danke euch, Pater. Für das Vertrauen, was mir geschenkt wurde und für den Rückhalt den ihr mir gegeben habt. All das bedeutet mir viel.“

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